Open Source & OSS: Was es ist und was es dir bringt
Um Open-Source-Software (OSS) ranken sich viele Missverständnisse und scheinbare Widersprüche.
Einerseits stieg die Zahl der Unternehmen in Deutschland, die OSS nutzen, alleine zwischen 2019 und 2023 um knapp 15 %: über drei Viertel aller Betriebe nutzen heute zumindest teilweise Open-Source-Software. Und sogar die weltweit führende Unternehmensberatung PWC urteilte angesichts dieser Entwicklung: „Open-Source-Software ist mittlerweile der Stand der Technik in der deutschen Wirtschaft.”
Andererseits aber fällt vielen Betrieben die praktische Einbindung von OSS in ihre IT-Struktur und Prozesse schwer. Wie auch Computer Weekly in einem ausführlichen Spezial zum Thema klarstellte: „Der Einsatz von OSS stellt insbesondere mittelständische Unternehmen häufig vor erhebliche Herausforderungen. Ohne [...] Initialinvestition wird jedes Open-Source-Projekt scheitern, ehe es begann.”
Das freilich scheint der beliebten Vorstellung zu widersprechen, dass OSS sich gerade deswegen rechne, weil sie nichts koste.
Wie passen diese beiden Perspektiven zusammen? In diesem Artikel helfen wir dir, Antworten auf diese Frage zu finden. Wir erklären, welche Vorteile du aus OSS ziehen kannst, was dich OSS in der Praxis kostet und wie du Umsetzungsschwierigkeiten überwindest.
Zunächst aber:
Was bedeutet Open Source?
Üblicherweise betrachten wir Open Source und Open-Source-Software als Synonyme. Aber die damit verbundene Idee – der freie Austausch bestimmter Technologien, Ideen und Konzepte – existiert schon sehr viel länger.
Eines der frühesten und am häufigsten angeführten Beispiele stammt aus den frühen Jahren der amerikanischen Automobilindustrie. Für einen gewissen Zeitraum beschlossen die Hersteller, neue Entwicklungen nicht zu patentieren. Der Gedanke dahinter war, dass es besser für alle Beteiligten sein könnte, wenn der Markt als Ganzes wächst. Auch heute arbeiten konkurrierende Automobilproduzenten zusammen an Open-Source-Projekten.
In den 1950ern und -60ern teilte auch IBM seine Software-Geheimnisse mit der Welt. Das war seinerzeit ein äußerst innovativer Schachzug. Doch muss man der Ehrlichkeit halber hinzufügen, dass Software damals als nahezu wertlos galt und das Unternehmen sein Geld mit dem Vermieten seiner Hardwarekomponenten verdiente.
Diese frühen Open-Source-Beispiele haben eines gemeinsam: Statt die Ergebnisse der eigenen Forschungsarbeit vor anderen Betrieben zu schützen, wurden sie großzügig der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Open-Source-Software: Definition
Im Softwarebereich entfaltete der Open-Source-Gedanke eine Wirkung, die weit über die Grenzen der Branche hinausging.
In Open-Source-Projekten wie den Open-Source-Seeds – Saatgut, welches ganz gezielt nicht patentiert wird – lebt er bis heute in vielen Bereichen weiter (wohl auch deswegen, weil sich genetische Codes sehr leicht als Software betrachten lassen).
Die Definition von Open-Source-Software lautet:
Eine Software kann als Open Source bezeichnet werden, wenn ihr Quellcode offen geteilt wird und eingesehen und verändert werden kann. Anderen Programmierern steht es frei, abgeleitete Werke aus ihr zu erstellen oder die Software in ihre eigenen Projekte einzubauen.
Diese Open-Source-Software-Definition schließt noch nicht alle Details mit ein. Auch gibt es ein paar Feinheiten bei der Frage von Lizenzen zu beachten – auf diese werden wir später im Artikel noch genauer eingehen. Als Einstieg in die Thematik aber ist sie bereits sehr präzise und umfassend.
Ist OSS immer kostenlos?
Nein. Dieses Missverständnis rankt sich bis heute um die OSS-Thematik. Dabei wurde der Name „Open Source” bewusst gewählt, weil der ursprüngliche – „Free Software” - sich bereits als zu missverständlich erwiesen hatte.
So ist es durchaus denkbar, dass du ein Open-Source-Produkt zu einem Premium-Preis verkaufst. Solange du den Quellcode dabei offenlegst, ist das wichtigste Kriterium erfüllt.
Zugegebenermaßen wird Open-Source-Software in der Regel tatsächlich kostenfrei angeboten. Die meisten professionellen Anbieter basieren ihr Erlösmodell inzwischen nicht mehr auf dem Verkauf von Lizenzen, sondern auf Dienstleistungen rund um das Produkt.
Open-Source-Software versteht sich als ein Instrument für Transparenz und Innovation. Als solches folgt es auch weiterhin den Leitlinien der Free Software – auch wenn es inzwischen nicht mehr unter diesem Banner läuft.
Sehen wir uns die Entwicklung von Closed Software zur Free Software und von dort zur Open-Source-Philosophie ein wenig genauer an.
Von Closed Software zu Free Software
Free Software ist ein Begriff aus den frühen 1980ern. Er entstand, da immer mehr Entwickler(innen) es als unethisch betrachteten, dass ihre Arbeit von großen Unternehmen oder sogar Bildungseinrichtungen wie Universitäten kommerziell verwertet wurde.
Als IBM seine Betriebssysteme mit der Welt teilte, stand dahinter weder Idealismus noch Profitdenken. Es war eine Entscheidung, die nahezu nebenbei getätigt wurde und an die wohl nur wenige der Beteiligten allzu viele Gedanken verschwendeten. Doch schon bald war eine rege Industrie um den Verkauf von Softwarelizenzen zu teilweise extrem hohen Preisen entstanden. Diese kostenpflichtigen Lösungen, deren Quellcode als Betriebsgeheimnis gehütet und mit Patenten geschützt wurde, bezeichnet man als „Closed Software” oder auch als „proprietäre” (mit einem Besitzanspruch verbundene) Software.
Dank des Einsatzes führender proprietärer Software erlangten finanzkräftige Betriebe oftmals einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung. Kleine Konkurrenten mit guten Ideen, aber einem geringen Budget, gerieten demgegenüber ins Hintertreffen.
Freie Software sollte allen zur Verfügung stehen. Durch das Freilegen des Source Codes wurde es möglich, die Funktionalität in eigene Software-Lösungen einzubauen und somit die Effizienz in der Software-Entwicklung zu steigern.
Von Free Software zu Open-Source-Software
De Begrifflichkeit von „Free Software” war von Anfang ein Problem. „Free” sollte sich auf die freie Verwendung beziehen, nicht auf eine kostenlose Nutzung. Um diesen Gedanken klarer hervorzuheben, entschied man sich schließlich für eine Umbenennung.
„Open Source” drückt genau aus, worum es wirklich geht – nämlich um den Quellcode, der die Grundlage der Funktionalität bildet.
Heute koexistieren beide Konzepte und ihre Schwerpunkte unterscheiden sich marginal: Die Free-Software-Community beispielsweise versteht sich als philosophisches und politisches Fundament für die gesamte Branche, auf der letzten Endes auch konkreter gefasste Konzepte wie OSS (Open-Source-Software) aufbauen.
Open-Source-Software: Beispiele
Es gibt inzwischen unzählige Beispiele für die Verwendung von Open Source in der Entwicklung neuer Software.
Das erste Beispiel, mit dem die meisten Privatnutzer(innen) konfrontiert wurden, war zweifelsohne der Firefox-Internetbrowser. Vor dem Markteintritt war der Markt zunächst von einem Browser dominiert worden, der kostenlos, aber nicht Open Source war (Altavista), dann von einem, der fest mit dem proprietären Microsoft Windows Betriebssystem verbunden war (Internet Explorer). Firefox bot eine hervorragende und für seine vielen Add-ons gepriesene Open-Source-Alternative.
Seitdem ist Open Source zum dominanten Distributions- beziehungsweise Lizenzierungsmodell aufgestiegen. Das Online-Wirtschaftsmagazin Deutsche Startups hat für verschiedene Branchen eine hervorragende Übersicht zusammengestellt:
Entwicklungswerkzeuge: Python, Ruby und OGC sind Beispiele für Open-Source-Tools, auf die Entwickler zurückgreifen können.
Datenbanken: MySQL, die führende Datenbanklösung weltweit, ist als Open Source angelegt. Gleiches gilt auch für konkurrierende Produkte wie PostgreSQL oder MongoDB. Anverwandte Lösungen wie Kubernetes sind ebenfalls Open-Source-Software, genauso wie der Dateimanager FreeCommander. Grafikdesign und Multimedia: GIMP oder Blender sind hervorragende Tools für alle, denen lizenzpflichtige, proprietäre Produkte zu teuer sind. Der VLC-Mediaplayer stellt die Funktionalität der meisten Nicht-Open-Source-Player in den Schatten.
Webtechnologie: Einige grundlegende Technologien wie PHP erfüllen die Kriterien von Open Source.
Anderes: LibreOffice und OpenOffice sind komplett als Open-Source-Anwendungen angelegt. Das E-Mail-Verwaltungsprogramm Thunderbird läuft ebenfalls unter einer Open-Source-Lizenz.
Was erhoffen sich Unternehmen von Open-Source-Software?
Vielleicht denkst du auch darüber nach, die IT deines Unternehmens so weit wie möglich auf eine Open-Source-Basis zu stellen. Damit stehst du, wie bereits erwähnt, nicht alleine da. Genau genommen sind Firmen, die ausschließlich auf proprietäre Lösungen setzen, inzwischen zur Minderheit geworden.
Für die meisten Unternehmen spielen dabei die folgenden Überlegungen eine zentrale Rolle:
Open-Source-Software kann dazu beitragen, deine IT-Kosten zu senken. Open-Source-Software ist flexibel und kann somit einfacher an persönliche Bedürfnisse angepasst werden.
Open-Source-Software genießt den Ruf, weniger Speicherkapazität zu verbrauchen und somit die Leistungsfähigkeit des Systems zu verbessern.
Open-Source-Software gilt als innovativer und anpassungsfähiger an sich wandelnde Marktbedingungen.
Wie nehmen sich diese vermeintlichen Vorteile in der Praxis aus? Werfen wir einen genaueren Blick auf OSS als Faktor in deinem Unternehmen.
Einen Punkt können wir dabei nicht genug betonen:
OSS ist kein Business-Modell
Wie erwähnt erhoffen sich Unternehmen viel von OSS und sind enttäuscht darüber, wenn sich diese Erwartungen nicht erfüllen. Vor allem die finanziellen Auswirkungen stellen sich oftmals ganz und gar nicht so dar, wie erwartet.
Auf die genauen Gründe dafür gehen wir noch genauer ein. Du solltest dir aber immer vor Augen führen, dass Open Source an sich niemals ein Geschäftsmodell darstellt, nicht einmal für die Unternehmen, die Software unter einer Open-Source-Lizenz vertreiben!
Open-Source-Software ist ein Konzept, das aus der Informations- und Datenfreiheitsbewegung stammt. Es erleichtert bestimmte Methoden und Vorgehensweisen, macht andere aber möglicherweise komplexer und aufwendiger.
Du kannst Open Source nutzen, um deinen Geschäftserfolg zu steigern. Die Konzepte dafür aber musst du immer noch selbst entwickeln.
Warum manche Unternehmen trotzdem auf proprietäre Lösungen setzen
Der Siegeszug von Open Source ist unbestreitbar. Letzten Endes lässt er sich auch damit begründen, dass kostenlose Software nahezu immer eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt; sogar dann, wenn es vollkommen klar ist, dass der „Preis Null” teilweise teuer erkauft werden muss.
Und dennoch lebt Closed Software auch weiterhin fort. Wie kommt es dazu?
Zum einen bleibt es ungemein zufriedenstellend, wenn ein Softwarepaket so umfassend ist, dass es nicht nur sofort benutzt werden kann, sondern gleich alle erforderlichen Komponenten mitliefert. In vielen Bereichen sind proprietäre Produkte schlicht professioneller und umfassender. LibreOffice und Open Office sind hervorragend. An Office aber reichen sie noch immer nicht heran.
Was noch schwerer wiegt: Bei OSS kommt es leichter zu Kompatibilitätsproblemen. Das ist bei Dokumenten wie Word noch zu verschmerzen. Bei komplexeren Fällen aber kann es den Entwicklungsprozess langsamer, fehleranfälliger oder sogar unmöglich machen.
Und obwohl manche Closed-Software-Anbieter langsamer auf Kundenanfragen reagieren als ihre Open-Source-Gegenspieler, so zeichnen sich andere durch prompte Reaktionen und schnelle Updates aus. Trotzdem ist es immer beruhigend, wenn dir bei Schwierigkeiten ein direkter Ansprechpartner zur Verfügung steht (weswegen dieser Aspekt inzwischen auch bei vielen OSS-Produkten berücksichtigt wird).
Die wahren Vorteile von Open-Source-Software
Einige der von Unternehmer(innen) erwarteten Vorteile von Open Source sind durchaus berechtigt: So erhöht OSS in der Tat die Transparenz der verwendeten Software. Da du den Quellcode einsehen kannst, kannst du ihn nun potentiell nach deinem Geschmack anpassen, erweitern oder kürzen. Du kannst ihn in Software-Pakete einbauen, die du selbst entwickelst und damit den Aufwand deutlich reduzieren.
Auch zeichnen sich viele Open-Source-Programme durch eine hohe Innovationskraft aus. Die dahinter stehenden Communities sind dynamisch, offen und helfen Neulingen in der Regel gerne.
Darüber hinaus sind noch die folgenden Vorteile zu nennen:
Durch die ständige praktische Prüfung durch andere Anwender(innen) erhalten die Entwickler(innen) der Software einen stetigen Feedback-Strom, der als Ausgangspunkt für Updates oder neue Versionen dienen kann. Langfristige Anwendbarkeit: Kommerzielle, proprietäre Software wird oftmals so schnell wie eine schlecht laufende Fernsehserie wieder vom Markt genommen, wenn sich der Verkaufserfolg nicht einstellt. Open-Source-Projekte sind nicht an solche Erwägungen gebunden und können auch über die ursprünglichen Entwickler hinweg Bestand haben.
Ist OSS tatsächlich kostengünstiger? Wir meinen: Es kommt auf das konkrete Beispiel an, aber in der Regel schon.
OSS verursacht zusätzliche Kosten durch die Notwendigkeit von Schulungeneiner genaueren Zusammenstellung der Komponenten sowie einer feinen Abstimmung zwischen den Bausteinen. Gerade bei sehr teuren Einzelplatzlizenzen aber bleibt OSS die günstigere Alternative.
Die drei Lizenzmodelle von Open-Source-Software
An dieser Stelle macht aus unserer Sicht ein kleiner Einschub Sinn. Denn es könnte inzwischen der Eindruck entstanden sein, dass OSS als offenes, oftmals kostenlos angebotenes Produkt im Widerspruch zu Lizenzmodellen steht.
Dem ist aber nicht so. In Wahrheit ist auch Open-Source-Software nahezu immer mit einer bestimmten Lizenz verbunden. Diese Lizenzen regeln die Weiterverwendung der Software und sind sogar von essenzieller Bedeutung dafür, dass die Grundgedanken der Open-Source-Bewegung auch tatsächlich gewahrt bleiben.
Die folgenden drei Lizenzen sind üblich:
Copyleft-Lizenz: Hierbei handelt es sich um die strengste Lizenz. Sie schützt die ursprünglichen Freiheiten der Software und zwingt alle Nutzer(innen) der Software, jedwede Folgeprodukte unter den selben Lizenzbedingungen zu vertreiben oder anzubieten.
Beschränkte Copyleft-Lizenzen: Bei manchen Produkten kann die Lizenz der Bearbeitungen teilweise abweichen. Dies räumt den Anwender(inne)n und Entwickler(inne)n mehr Freiheiten ein.
Permissive Lizenzen: Kommen ohne Anweisungen aus. Was für OSS bedeutet, dass es den Bearbeiter(innen) frei steht, welche Lizenzbedingungen für die Ergebnisse ihrer Arbeit gelten sollen.
Bei allen Lizenzen kannst du für deine Produkte und deine Arbeit Geld verlangen. Darauf gehen wir gleich noch ein.
Open Source & Agile-Methodik
Ein wichtiger Grund, warum Open Source in der Softwareentwicklung nahezu sofort auf ein so breites und positives Echo gestoßen ist, liegt in seiner Nähe zur agilen Methodik.
Bei Agile Delivery steht ein Prozess im Fokus, bei dem durch das fortlaufende Einholen von Daten und einer Formalisierung des Austauschs im Team schnell und regelmäßig funktionierende Prototypen entwickelt werden.Diese dienen dann wiederum als Basis für weitere Optimierungen.
In beiden Ansätzen stehen Transparenz, Offenheit, schnelles Agieren, Teamarbeit, Kundenorientierung und ein schneller Weg zum fertigen Produkt im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu proprietären Lösungen sind Open-Source-Produkte niemals wirklich fertig, sondern immer nur ein Zwischenstand.
Du wirst feststellen, dass es dir deutlich leichter fällt, OSS in deinem Betrieb einzuführen, wenn du bereits Erfahrungen mit agilen Methoden gemacht hast.
Fallbeispiel 1: Linux
Die möglicherweise bekannteste Open-Source-Software überhaupt ist Linux.
Linux ist zu 100 % Open Source und der Quellcode ist somit frei einsehbar. In einer faszinierenden Entwicklung hat sich hieraus eine Vielzahl sogenannter „Distributionen” herausgebildet. Darunter versteht man eine bestimmte Konfiguration von Linux mit einer eigenen Anwendungsoberfläche und einer Palette zugehöriger Tools.
Linux weist gegenüber Windows eine Vielzahl genau derjenigen Vorteile auf, die wir oben genannt haben: Es ist deutlich effizienter/schneller, flexibler und günstiger. Gerade seine einzigartige Anpassungsfähigkeit hat ihm zur Führerschaft im Serverbereich verholfen.
Gleichzeitig aber ist es auch komplizierter, sowohl was die Installation und den praktischen Einsatz angeht, und auf ein gut vorbereitetes IT-Team angewiesen.
Das Besondere an Linux ist, dass die verschiedenen Distributionen unter unterschiedlichen Lizenzen vertrieben werden. So gibt es komplett kostenlose und sehr minimalistisch gehaltene Versionen; Varianten, die auf innovative Entwickler zugeschnitten sind; und zu guter Letzt Komplettpakete, die genauso komfortabel und komplett sind wie kommerzielle Closed Software (und entsprechend auch deutlich teurer).
Linux ist ein Paradebeispiel dafür, wie vielseitig Open Source in der Praxis sein kann.
Fallbeispiel 2: GitLab
Auch GitLab wurde von Anfang an und aus Überzeugung als Open-Source-Projekt angelegt.
Was bedeutet OSS für uns konkret?
Der Quellcode von GitLab wurde unter einer MIT Open-Source-License veröffentlicht und kann frei eingesehen werden. Wir freuen uns immer über Vorschläge zu Verbesserungen oder Erweiterungen. Im GitLab-Forum findest du darüber hinaus andere Entwickler(innen), mit denen du dich spezifisch zu Open-Source-Themen austauschen kannst. Mit dem GitLab-Development-Kit bieten wir eine Möglichkeit an, selbst aktiv den Quellcode an persönliche Präferenzen und Bedürfnisse anzupassen. In unseren Repositories liegen unzählige Open-Source-Projekte. Mit dem GitLab-for-Open-Source-Program unterstützen wir das Anlegen neuer OSS-Projekte, von denen die gesamte Community profitiert.
Bei GitLab ist Open Source keine trockene Theorie. Beeindruckend ist zum Beispiel wie sich der Content-Management-Anbieter Drupal zu seinem 20-jährigen Jubiläum neu erfand und seine Dienstleistungen mit GitLab für neue Zielgruppen öffnete. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über GitLab-Open-Source-Case-Studies.
Gerne stellen wir dir eine kostenlose 30-Tage-GitLab-Test-Lizenz zur Verfügung.
OSS: Herausforderungen bei der Umsetzung
Aus der Sicht von Computer Weekly liegt der Hauptgrund dafür, dass viele Open-Source-Projekte in der Umsetzung scheitern, darin, dass nicht ausreichend Expertise im Unternehmen vorhanden ist.
Aus der Sicht des Magazins „müssen Unternehmen bereits vorab Zeit und Ressourcen investieren, um die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse aufzubauen oder externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen – ob nun über einen Partner oder das Recruiting neuer Fachkräfte.”
Computer Weekly betont auch, dass einer der potenziellen Vorteile von OSS – die Dynamik der Community und die Vielzahl von Lösungen, die nahezu täglich erscheinen – für manche Betriebe zu einem Nachteil werden kann. Beispielsweise, wenn die Optionen nicht mehr überschaubar sind und vor allem die Zusammenstellung der richtigen Komponenten sich als zu komplex und aufwändig gestaltet.
Die Expertin Marieke Merkle empfiehlt deswegen ein Risk Mapping:
„Bei einem solchen werden die Risiken identifiziert, welche mit dem konkreten im Unternehmen bereits erfolgenden oder geplanten Einsatz von Open-Source-Software verbunden sind. Auf dieser Grundlage kann ein Compliance-Prozess zunächst für denjenigen Einsatzbereich aufgebaut werden, bei welchem die größten Risiken bestehen. Im Anschluss kann die Compliance-Struktur sodann auf weitere Einsatzbereiche von Open-Source-Software ausgedehnt werden.”
Wie sieht die Zukunft von OSS aus?
Vorhersagen im IT-Bereich sind generell schwierig. In diesem Fall aber deuten sich doch einige klare Trends an:
OSS wird weiter alle Bereiche der Industrie erreichen. Chief Visionary Officer der Firma Telmekom, Sergio Vemic, sagt dazu: „Ich glaube, dass Open Source in Zukunft immer wichtiger wird. Immer mehr Menschen werden sich damit beschäftigen, werden sie weiterentwickeln und pushen. Auch Firmen, die heute proprietäre Software anbieten, werden sich überlegen, diese künftig vielleicht als Open Source zu veröffentlichen.”
OSS wird einen erheblichen Schub erfahren durch die weltweite Bevorzugung von Open-Source-Produkten im öffentlichen Sektor. Die Europäische Union nimmt hier bereits eine Vorreiterrolle ein.
In einigen Schlüsselindustrien wird OSS sich zu einer ernstzunehmenden Alternative zu Closed Software entwickeln. Dazu zählen zum Beispiel Edge Computing, DevOps, Container-Orchestrierung sowie natürlich KI.
Gleichzeitig sehen einige Experten, dass bei vielen Investoren eine zunehmende Skepsis besteht, ob diese Projekte tatsächlich eine nennenswerte Rendite abwerfen können. Wir haben es bereits erwähnt: Open Source ist kein Business-Modell – aber es kann gelegentlich durchaus einem lohnenswerten Geschäft im Weg stehen! Es bleibt also weiterhin spannend.
Was sind die Potentiale von OSS und KI?
Künstliche Intelligenz und Open-Source-Software sind die vielleicht stärksten aktuellen Trends im Bereich der Softwareentwicklung. So kann es kaum verwundern, dass sich eine gemeinsame Betrachtung lohnt.
Das Institut für Innovation und Technik in Berlin stellt hierzu die alles entscheidende Frage: „Was bedeutet Open Source für Künstliche Intelligenz (KI)?” Die Analyse geht auf einige faszinierende Fälle ein, in denen Künstliche Intelligenz in der Open-Source-Software-Entwicklung bestimmte Projekte ermöglicht hat, die in einem proprietär-kommerziellen Umfeld schlicht nicht zustande gekommen wären. Dazu gehört unter anderem ein Übersetzungs-Tool für verschiedene afrikanische Sprachen.
Schon heute gibt es auch für Entwickler eine Vielzahl von OSS-Lösungen mit einem signifikanten KI-Anteil. Dazu gehören FauxPilot (Entwicklungstool), DALL-E (Text-to-Word-Anwendung) oder PaddleNLP (NLP-Bibliothek). Weitere KI- & OSS-Beispiele finden sich in einem Artikel der Computerwoche.
Man kann aber auch fragen: Was bedeutet Künstliche Intelligenz für Open Source? Avi Press, CEO von Scarf, einem Unternehmen an der Schnittstelle zwischen KI, OSS und Kund(inn)en, meint dazu:
„Ein zunehmender Anteil des (Open-Source- und sonstigen) Codes, auf den wir uns verlassen, wird von KI und nicht von Menschen geschrieben werden ... und wir wissen noch nicht, wie wir mit all den Auswirkungen einer Welt umgehen sollen, in der Menschen nicht die einzigen Hauptakteure sind.”
Eines steht fest: KI und OSS werden beide wachsen und sie werden gemeinsam wachsen. Die Ergebnisse aber werden zumindest teilweise das, was wir uns vorstellen können, um ein Vielfaches übersteigen.
Werden wir jemals ganz ohne Closed Software auskommen?
Diese Vermutung bietet sich angesichts der oben genannten Entwicklungen und Tendenzen geradezu an.
Sicher ist, dass OSS entweder als eigenständiges Produkt oder Komponente einer größeren Software-Architektur an Bedeutung gewinnen wird. Genau so sicher ist aber, dass es auch in Zukunft Bereiche geben wird, in denen Unternehmen auf Closed Software setzen werden:
Technologien, mit denen sich in einem proprietären Umfeld höhere Gewinne erzielen lassen. Technologien, die selbst entwickelt und nun intern genutzt werden und die einen signifikanten Vorsprung gegenüber der Konkurrenz gewährleisten. Technologien, bei denen ein extrem hohes Maß an Sicherheit / Security Compliance gefordert ist. Es scheint unwahrscheinlich, dass Banken in absehbarer Zeit auf einen breiten oder gar exklusiven Einsatz von OSS setzen werden.
Es gibt allerdings bereits Bemühungen, Schwachpunkte von OSS systematisch auszumerzen. Wenn diese greifen, steht einer noch weitflächigeren Verwendung von Open Source auch in sicherheitskritischen Industrien nichts mehr im Weg.